Projekt
Bürgerenergiegenossenschaft Kappel
Die Ortsgemeinde Kappel im Rhein-Hunsrück-Kreis zeigt eindrücklich, wie eine kleine Kommune mit 470 Einwohnern den Weg zum Bioenergiedorf einschlägt.
Projekt
Die Ortsgemeinde Kappel im Rhein-Hunsrück-Kreis zeigt eindrücklich, wie eine kleine Kommune mit 470 Einwohnern den Weg zum Bioenergiedorf einschlägt.
In Kappel im Rhein-Hunsrück-Kreis haben die Bürger:innen selbst die Energiewende in die Hand genommen. Aus der Idee, die Abwärme der örtlichen Biogasanlage sinnvoll zu nutzen, entstand 2014 die Energiegenossenschaft Kappel eG. Sie wurde von engagierten Dorfbewohnern gegründet, um Planung, Bau und Betrieb eines Nahwärmenetzes gemeinschaftlich zu realisieren. Die Finanzierung erfolgte solidarisch durch Eigenkapital der Mitglieder, Bankkredite und Fördermittel. Ergänzend stellte die Gemeinde Baukostenzuschüsse bereit und koordinierte den Rohrleitungsbau parallel zu Straßensanierungen – ein Beispiel für kluge Zusammenarbeit von Kommune und Bürgerschaft.
Zentraler Gedanke war die Nutzung bislang ungenutzter Abwärme der Biogasanlage. Gemeinsam mit zwei 500-kW-Holzhackschnitzel-Kesseln und großen Pufferspeichern versorgt sie heute zuverlässig Haushalte und öffentliche Einrichtungen mit regenerativer Wärme. Durch die Kombination von Abwärmenutzung, Flexibilisierung der Anlage und Spitzenlastabdeckung im Winter entstand ein technisch ausgereiftes System, das Versorgungssicherheit gewährleistet.
Mitglieder sind vor allem Bürger:innen der Gemeinde sowie lokale Akteure. Jeder, der Anteile zeichnet, ist Miteigentümer und Mitgestalter. Heute zählt die Genossenschaft rund 100 Mitglieder. Die Organisation ist wie bei allen Genossenschaften demokratisch. Entscheidungen – von der Investition bis zur Preisgestaltung – werden gemeinsam getroffen. Vorstand und Aufsichtsrat bündeln technisches, kaufmännisches und organisatorisches Wissen. Damit ist das Know-how für Bau und Betrieb der Anlage im Dorf selbst verankert.
Die Genossenschaft hat die Betreiberaufgaben für das Wärmenetz übernommen – von der Steuerung der Technik über die Vertragsgestaltung bis zur Abrechnung. Die laufenden Kosten und Rücklagen sind im Wärmepreis fest einkalkuliert, sodass für die Mitglieder Planungssicherheit besteht.
Heute versorgt die Energiegenossenschaft zwei Drittel der Haushalte in Kappel sowie öffentliche Einrichtungen und Betriebe mit erneuerbarer Wärme, spart jährlich 650 Tonnen CO₂ und ist wirtschaftlich stabil. Sie ist damit ein Paradebeispiel für gelebte Bürgerenergie, die Unabhängigkeit stärkt und Wertschöpfung im Dorf hält.