Mehr Grün in Hackenheim: Rückblick auf unseren ersten Sommer
Im Frühjahr 2026 hat sich die Gruppe „Mehr Grün in Hackenheim“ (MGiH) erstmals zusammengesetzt. Rund 20 Mitglieder setzen sich dafür ein, dass Hackenheim, „das Tor nach Rheinhessen“, mit mehr Bepflanzungen im öffentlichen und privaten Raum auch im Klimawandel lebenswert bleibt. Als einer der Mitgründer ziehe ich nach einem guten halben Jahr eine erste Bilanz.
Stauden statt Unkraut: Die U-Steine am Dorfplatz
Den Anfang machte am 18. April eine kleine Pflanzaktion an der alten Kelter am Ortseingang aus Richtung Bosenheim. Was wir nicht wussten: eine Gärtnerei hatte bereits den Auftrag für die Bepflanzung erhalten und wir entnahmen die Pflanzen, um sie in unseren Gärten zwischenzuparken. Ab diesem Zeitpunkt erfolgt keine Aktion mehr ohne genaue Rücksprache mit den Verantwortlichen der Ortsgemeinde.
Am 5. Juni folgte unser bisher größtes Gemeinschaftswerk: 85 lange Zeit verwaiste und zum Teil verunkrautete U-Steine am Dorfplatz wurden mit trockenresistenten, insektenfreundlichen Stauden bepflanzt.
Der Dorfplatz neben dem Kulturzentrum, in dem auch die Gemeindeverwaltung ihren Sitz hat, ist fast vollständig mit Pflastersteinen versiegelt. Deshalb war es uns wichtig, hier zu starten. Die Aktiven waren zwischen 4 und 68 Jahre alt, und für den Transport der neuen Pflanzerde rückte sogar ein Schaufellader des Öko-Weinguts Gänz an, das auch die Pflanzerde spendete. Die Pflanzen stammen aus Spenden von Privatleuten. Wenn viele mit anpacken, ist ein Tagwerk schnell vollbracht. In weniger als zwei Stunden waren alle Pflanzringe bestückt.
Im ersten Sommer mussten neue Stauden regelmäßig gegossen werden. Das ging vom angrenzenden Kulturhof aus zum Glück leicht. Eine Gruppe von fünf GießpatInnen brachte die Beete mit viel Einsatz durch die extrem heißen Sommermonate. Das Ergebnis lässt sich inzwischen sehen.
Drei Alleebäume sollen bleiben
Im Juni wurde bekannt, dass im Zuge der Straßensanierung in der Volxheimer Straße (L412) drei über 30 Jahre alte Alleebäume gefällt werden sollen. Sie spenden Schatten, kühlen ihre Umgebung und bieten Vögeln und Insekten Lebensraum. Wir haben uns deshalb für ihren Erhalt eingesetzt: mit einer Unterschriftenaktion (über 100 Unterschriften in einer Woche, am 23. Juni der Ortsbürgermeisterin übergeben) und in Gesprächen mit den Beteiligten, darunter Vertreter des Landesbetriebs Mobilität und der Stadtwerke.
Bisher wurde die Entscheidung nicht zurückgenommen (Stand 29. Oktober 2026). Wir bleiben im Gespräch und beobachten, was die laufenden Arbeiten an der Straße über den Zustand des Untergrunds zeigen. Ein ausführlicher Bericht über meine Beobachtungen wurde am 27.10.26 im Öffentlichen Anzeiger veröffentlicht. Unser Ziel bleibt, dass diese Bäume erhalten werden, denn die drei Bäume an der Deutschen Alleenstraße sind ortsbildprägend und können an dieser Stelle und auch an anderer Stelle im Hackenheimer Abschnitt der Deutschen Alleenstraße nicht ersetzt werden. Die geplanten sechs Ersatzbäume bräuchten Jahrzehnte, um ihre Wirkung zu ersetzen.
Vortrag: Wie machen wir unser Dorf klimafit?
Am 27. August lud MGiH als Teil des LAG-Bürgerprojekts ins Kulturzentrum Hackenheim ein zum Vortrag „Mehr Grün in Hackenheim: Wie machen wir unser Dorf klimafit?“ Ich referierte vor zwanzig interessierten Zuhörerinnen und Zuhörern darüber, welchen Herausforderungen sich unsere Region und Hackenheim konkret durch die Erderhitzung stellen müssen.
Bis 1985 wurden im Landkreis Bad Kreuznach Hitzetage mit einer Tageshöchsttemperatur von über 30°C im Schnitt an 5 Tagen im Jahr gemessen (Quelle: Deutscher Wetterdienst). Im Jahr 2026 wurden in Hackenheim an der Wetterstation des Referenten die Tageshöchsttemperatur von 30°C an 60 Tagen übertroffen.
Das erfordert zunächst Maßnahmen der Eigenvorsorge: Wie schütze ich mein Haus vor Starkregenschäden und den Garten in Zeiten von Dürre und Hitze. Darüber hinaus müssen sich möglichst viele Menschen in ihrer Kommune engagieren, denn der Staat allein wird nicht dafür sorgen können, dass es überall lebenswert bleibt. In diesem Sinne ist auch Mehr Grün in Hackenheim im Ort aktiv.
Ein neuer Treffpunkt: Bank, Reben und Beeren
Am 5. September stellten wir am kleinen Spielplatz neben dem Kulturhof eine Vier-Sitzer-Bank. Die ersten Sitzproben fielen eindeutig aus. Hier können Nachbarn ins Gespräch kommen und (Groß)Eltern von dort aus den Kletterübungen ihrer Kleinen zusehen.
Ein süßer Dorfplatz
Am 19. September ging es weiter: Oberhalb der U-Steine neben Bank und Spielplatz pflanzten wir drei krankheitsresistente Weinreben sowie je zwei Stachel-, Johannis- und Brombeersträucher. So wird das Verweilen zur Erntezeit auch ein Genuss für den Geschmackssinn. Erst wurden die Standorte festgelegt und der Boden gelockert, dann erhielt jeder Strauch einen Gießring mit frischer Erde. Bald werden die Reben und Sträucher den Blick auf den Dorf(park)platz verschönern und (gelegentlich) versüßen. Zusätzlich füllten wir mit etwa zehn Stauden die größten Lücken in den Beeten. Auch eine Heckenrose, die nach Jahren in einem schattigen Garten einen sonnigen Platz am Dorfplatz gefunden hat, und neue Stauden und Gräser in einem alten Beet gehören jetzt dazu.
Eine zukünftige „Baustelle“ gibt es schon: Ohne bessere Wasserversorgung wird der Spitzahorn am Dorfplatz absterben.
Demnächst: Fünf Bäume, eine Rundbank und ein Insektenhotel
Unsere Aktionen werden von Förderern aus Hackenheim und über ein ehrenamtliches Bürgerprojekt der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) Rheinhessen unterstützt. Bewilligt wurden von der LAG 1.840 Euro. Mit diesen Mitteln wurden neben den beiden Bänken auch fünf Bäume gekauft, die wir auf dem Friedhof und zwei Kinderspielplätzen pflanzen werden.
Zum Zeitpunkt der Bewilligung durch die LAG war die Pflanzzeit für Bäume bereits vorbei, und die anhaltende Trockenheit dieses Jahres machte eine Pflanzung im ausgetrockneten Boden wenig sinnvoll. Die Pflanzung ist für November geplant. Erst wenn alle Blätter gefallen sind und der Wurzelraum der Bäume gut durchnässt, kann erfolgreich verpflanzt werden. Den Termin werden wir noch im Orts-Chat und auf Soonachhaltig.de bekanntgeben.
Außerdem stellen wir in nächster Zeit eine weitere (Rund)Bank und ein großes Insektenhotel.
Mitmachen erwünscht!
Hackenheim kann nur klimafit gemacht werden, wenn sich viele beteiligen. Vor allem, indem sie ihre Gärten und Vorgärten entsiegeln, begrünen, Regenwasser nutzen und sich in ihrem Umfeld engagieren. Ob als Gießpate, Pflanzhelfer oder Ideengeberin: Wer sich bei der Planung und Umsetzung von Begrünungsaktionen beteiligen möchte, ist herzlich willkommen.
Kontakt: N.Weissmann@gmx.de
Spenden für die Begrünungsaktionen von MGiH sind steuerlich absetzbar. Überweisungen bitte an die Ortsgemeinde Hackenheim. IBAN: DE64 5605 01800000000034. Bitte bei Verwendungszweck angeben: „Zweckgebunden für Aktionen von Mehr Grün in Hackenheim“.
Dieses Projekt ist ein im Rahmen des GAP-Strategieplans Deutschland 2023–2027 EUR gefördertes ehrenamtliches Bürgerprojekt in der LEADER-Region Rheinhessen. Gefördert durch das Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau Rheinland-Pfalz. Kofinanziert von der Europäischen Union.
Fotos: Vincent Ruhl, Franziska Wügner, Dr. Norbert Weißmann
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