Praxis-Beispiel Regengarten
Wohlfühlort und kleinste Einheit jeder Schwammregion. Aus jedem Garten kann ein kleiner Wasserspeicher werden. Erfahren Sie, wie ein Regengarten funktioniert und warum er so wichtig für die Schwammregion Soonwald-Nahe ist.
Lange Trockenperioden, plötzliche Starkregenereignisse und steigende Temperaturen stellen unsere Gärten vor neue Herausforderungen. Wasser wird zum wertvollen Gut.
Eine einfache und wirkungsvolle Lösung sind Regengärten: Kleine, grüne Oasen, die Regen auffangen, speichern und langsam wieder abgeben. Sie kühlen ihre Umgebung, spenden Schatten und schaffen Lebensraum für Insekten. Und sie zeigen, wie jeder von uns im eigenen Garten etwas gegen die Folgen des Klimawandels tun kann.
In diesem Beitrag zeige ich, wie ich meinen eigenen Regengarten angelegt habe, als Beispiel für die kleinste Einheit der Schwammregion Soonwald-Nahe.
Was ist ein Regengarten oder Raingarden?
Ein Regengarten (engl. Raingarden) ist eine bepflanzte Fläche oder Anlage, die Regenwasser auffängt und versickern lässt. Das kann eine kleine Mulde im Garten sein, ein System aus Regentonnen oder eine Kombination aus beidem. Entscheidend ist: Das Wasser bleibt dort, wo es fällt, statt ungenutzt im Kanal zu verschwinden. Als unser Haus für Malerarbeiten eingerüstet war, hatte ich bei einem starken Regen gefilmt, was da so alles runterkommt.
Gründe für einen Regengarten
Wo fühlt man sich am wohlsten, wenn die Sonne tagelang vom blauen Himmel strahlt, nachdem man genug Sonne getankt hat? An einem schattigen Plätzchen im Wald, in einem Park, unter der Dorflinde oder im eigenen Garten. Pflanzen spenden Schatten und sorgen durch die Verdunstung von Wasser über ihre Blätter noch für zusätzliche Kühlung. In Zeiten der Klimaerwärmung kann man kühle Orte oder besser gesagt, die Pflanzen, die für Schatten und Kühlung sorgen, z. B. durch einen Regengarten erhalten.
Pflanzen brauchen von Frühjahr bis Herbst Wasser. Der Frühling beginnt immer früher, die Blätter fallen im Herbst immer später und die Sommer werden immer heißer. Die Pflanzen benötigen deshalb heute mehr Wasser als in der Vergangenheit. Die Jahresregenmenge ist eigentlich ausreichend, aber der Regen fällt nicht mehr so gleichmäßig wie zu früheren Zeiten und das ist ein Problem für unsere Vegetation. Es ist daher wichtig, den Regen aufzufangen.
Praxis-Beispiel: So funktioniert mein Regengarten
Mein Ziel war es, möglichst viel Wasser auf dem Grundstück zu halten, ohne aufwändige Erdarbeiten oder eine Zisterne einbauen zu müssen. Der Regen soll möglichst komplett aufgefangen, in Regentonnen zwischengespeichert oder in den Boden geleitet werden. Ideal wäre die Speicherung in einer unterirdischen Zisterne, was aber bei einem Altbau relativ aufwändig und teuer ist. Ich habe deshalb an alle 3 Regenfallrohre Regentonnen angeschlossen. Die größte fasst 2000 Liter und steht neben unserem Gemüsegarten.
Regenfässer, Pumpen und praktische Lösungen
Weil ein Regensammler (den man ganz oben im Bild sieht) nie den gesamten Regen einfängt, habe ich etwas weiter unten im Fallrohr noch eine Regenklappe eingebaut, die ein Regenfass füllt. Darin hängt auf halber Höhe eine Tauchpumpe an einem Seil. Wenn sich das Regenfass füllt, wird das Wasser in eine 1000 Liter Regentonne gepumpt, die im oberen Gartenteil steht.
Die Tonne der Firma Werit (ca. 300 EUR) ist extrem stabil und mit einem 400 mm Deckel fest verschließbar. Mit dem Universal-Schlauchset ¾´´ (ca. 25 EUR), das man an jede Tonne anschließen kann, lassen sich Gießkannen sehr schnell füllen.
Zwei Antik-Amphoren mit je 600 L Volumen stehen rechts und links vom Haus im Vorgarten. Die Firma Garantia hat eine Riesenpalette an Modellen für jeden Geschmack und auch alles Zubehör, was man so braucht.
Neben der Tonne an der Treppe, die an die größere Dachfläche angeschlossen ist, steht ein 50 l-Pflanztopf mit einer Tauchpumpe. Von hier aus kann ich überschüssiges Wasser in den höhergelegenen Gartenteil pumpen und es dort versickern lassen. Gefüllt wird dieser Zwischenspeicher über eine Regenklappe, die sich auch hier unter dem Regenfänger befindet. Gießkannen füllen wir mit dem Universal-Schlauchset, das sich an einer vorinstallierten Öffnung leicht an die Amphore anschließen ließ. Überschüssiges Wasser kann ich mit dem Universal-Schlauchset aus der Amphoren-Tonne in das Zwischengefäß laufen lassen, von wo aus es in den oberen Gartenteil gepumpt wird.
Regensammler
Die abgebildeten Regensammler habe ich online bei der Firma Raintec bestellt. Sie sind so konstruiert, dass sie auch bei starkem Regen einen sehr großen Teil der Regenmenge abfangen. Wichtig ist dafür ein großer Auslass beim Regenfänger und ein entsprechend großes abführendes Rohr. Beim Raintec lassen sich Standardrohre mit einem Durchmesser von 50 mm anschließen. Im Regenfänger ist ein Sieb, das verhindert, dass Blätter, Moos oder Holzstöckchen, die Vögel manchmal auf das Dach fallen lassen, in die Regentonne gelangen. Über eine Klappe ist das Sieb leicht zugänglich.
Die regelmäßige Kontrolle des Siebs ist wichtig, damit der Regenfänger nicht verstopft. Je nach Lage des Daches (die Nordseite vermoost leichter, steht ein Baum in der Nähe?) sind ein bis drei Kontrollen pro Jahr nötig. Das dauert in der Regel ein bis zwei Minuten.
Kleine Regendiebe
Für den Einbau der kleinen Regensammler-Modelle von Garantia muss man nur mit dem mitgelieferten Bohrer ein Loch in ein bestehendes Regenfallrohr bohren und die Gummilippe des Sammlers durchschieben. Wenn das Regenfallrohr leicht zum Sammler geneigt ist, kann man bei schwachem Regen fast die gesamte Regenmenge ableiten. Bei starkem Regen sprudelt auch das Wasser durch den Schlauch, aber viel geht am kleinen Sammler vorbei in den Kanal. Das hier abgebildete Modell hat sogar ein Sieb und durch Drehen des Siebs um 90 Grad kann man den Zufluss, zum Beispiel bei Frost, abstellen.
Überschüssiges Regenwasser im Garten versickern lassen
Ist die Tonne voll, kann man mit einem Überlauf dafür sorgen, dass das wertvolle Nass im Garten versickern kann, denn auch der Gartenboden ist ein sehr wertvoller Wasserspeicher.
Hier ein Foto von einer schönen Konstruktion aus unserer Nachbarschaft. Von einem Carportdach wird in eine Regentonne geleitet, an die im oberen Teil der Tonne als Überlauf ein Gartenschlauch angeschlossen ist. So hat man nach einem Regen immer Wasser in der Tonne, das man mit der Gießkanne durch die große Öffnung oben leicht entnehmen kann. Und wenn es länger regnet, versickert der Überschuss im Garten.
In vielen Regionen in Deutschland sinken die Grundwasserspiegel ab. Dem kann jede zumindest in ihrem Umfeld entgegenwirken. Um Unterspülung der Fundamente zu vermeiden, sollte die Versickerung in etwas Abstand zu Gebäuden erfolgen. Als Faustregel gilt ein Abstand von 1,5 m x Kellertiefe. Das heißt, dass man bei einem Keller von 2,5 Meter Höhe (plus ca. 50 cm Fundament) in etwa 4,5 Meter Abstand zum Haus haben sollte.
Wenn das Gefälle im Gelände weg vom Haus führt, ist die Ableitung des Regens in den Garten in der Regel unkritisch. Wichtig ist, dass der Regen im Boden versickern kann. Das kann man mit einem relativ einfachen Test ermitteln. Hierfür hebt man eine ca. 50 x 50 cm große und 30 cm tiefe Grube aus. Auf den ebenen Boden verteilt man etwas Kies oder Sand, damit man eine ebene Fläche hat und füllt die Grube zur Vorsättigung zu 2/3 mit Wasser. Diese Höhe sollte etwa eine Stunde lang gehalten werden, also ab und zu Wasser nachschütten. Es ist wichtig, dass die Bodenporen mit Wasser gesättigt sind. Trockener Boden nimmt Wasser sehr schnell auf, was das Ergebnis verfälschen würde. Vor dem Beginn der eigentlichen Messung füllt man auf 2/3 auf und misst im Abstand von 15 Minuten eine Stunde lang, wie sich der Wasserspiegel in der Grube senkt. Wenn der Wasserspiegel in einer Stunde weniger als 4 cm fällt, dann ist der Unterboden nicht als Versickerungsfläche geeignet. Die ausführliche Beschreibung eines solchen Tests befindet sich auf S. 47 – 50 der Broschüre „MEHR GRÜN FÜR EIN BESSERES KLIMA – Leitfaden zur Entsiegelung und Begrünung privater Flächen in Köln“.
Wartung der Regensammeleinrichtungen
Auch wenn man Filter einbaut, gelangt doch immer auch organisches Material oder Staub in die Regensammeleinrichtungen. Völlig unproblematisch ist die Reinigung offener Regentonnen. Deshalb ist auch bei den meisten Regentonnen der Ablauf nicht ganz am Boden. Der Nachteil von Regentonnen gegenüber unterirdischen Zisternen ist, dass man sie im Winter spätestens vor dem ersten Frost entleeren muss. Die Tonnen und Anschlüsse können sonst wegen der Ausdehnung des Eises platzen.
Die Kühlungswirkung eines grünen Gartens
Die Kühlungswirkung eines grünen Gartens ist enorm. Ich habe im Sommer, es war der 13. August 2025 um 13:30 Uhr, die Oberflächentemperaturen an verschiedenen Stellen in unserem Garten gemessen.
Der Stein einer Sonnenuhr war 52,1 Grad heiß, der Rasen direkt neben dem Stein nur 34,8 Grad warm und einen Meter weiter, im Schatten eines jungen Feigenbaums wurden angenehme 28,1 Grad gemessen.
Die Pflastersteine auf dem sonnenbeschienen Weg waren 46,5 Grad heiß, 3 Meter daneben, unter einem Kastanienbaum betrug die Temperatur exakt der gleichen Steine nur 26,3 Grad, war also 20,2 Grad niedriger. Der Unterscheid zur Temperatur der gleichen Steine, gemessen im Schatten des Hauses (24,5 Grad) war dagegen marginal, nur 1,8 Grad. Man sieht, Begrünung senkt die Temperatur um viele Grade und für Begrünung brauchen wir viel Wasser, das effektiv und möglichst sparsam eingesetzt werden muss.
Video-Beitrag im SWR
Am 11. Juni 2025 war übrigens das SWR-Fernsehen zu Besuch und stellte in einem kurzen Beitrag, der zum Wetterbericht erschien, unseren Raingarden einem größeren Publikum vor. Schaut gerne mal rein!
Weitere Tipps und Fazit
Viele weitere wertvolle Tipps, wie man seinen Garten klimafest und kühlend machen kann, finden sich in dem Praxishandbuch von Heike Boomgararden und Werner Ollig: „Der klimafreundliche Garten: So geht’s!“ oder in „Oase kühler Garten“ von Markus Meyer.
Der Regengarten ist das kleinste Element der Schwammregion Soonwald-Nahe. Wollen wir in immer heißer werdenden Zeiten noch angenehm leben, dann müssen wir der Natur Raum geben und sie unterstützen, unter anderem durch die Zurückhaltung von Wasser: in Gärten, Dörfern, Städten, in der Landwirtschaft und in den Wäldern. Damit das gelingen kann, müssen ganz viele Menschen an vielen Orten aktiv werden. Wie das gelingen kann, werden wir in weiteren Blogbeiträgen beschreiben.
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